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Ein Handy zu Weihnachten?

„Wann bekomme ich ein Handy?“ Diese Frage stellt Eltern oft auf eine Nervenprobe. Eveline Holzmüller, Sozialarbeiterin der MAG ELF und Mutter eines Volksschulkindes, gibt Tipps, wie man den Familienfrieden erhalten kann.

©Corbis

Mobiltelefon und Internet sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sobald die ersten SchulfreundInnen – oft schon in der ersten Volksschulklasse – stolz ihr eigenes Handy präsentieren, sehen sich Eltern mit der Forderung ihrer Kinder nach einem eigenen Telefon konfrontiert. In der Öffentlichkeit gehen die Meinungen dazu auseinander, das Gesundheitsrisiko wird gegen die Sicherheit der Kinder ins Treffen geführt. Pädagogisch betrachtet reichen die mit dem Thema verknüpften Diskussionen von Förderung der Selbstständigkeit über das richtige Ausmaß elterlicher Zuwendung bis hin zu den Kontrollmöglichkeiten, die ein Handy zu bieten scheint …Bevor Sie mit Ihrem Kind in konkrete Verhandlungen treten, sollten Sie sich über Ihre eigenen Standpunkte zu den Fragen, die mit der Anschaffung eines Mobiltelefons in Verbindung stehen, klar werden:

Konsumwünsche

Der angemessene Umgang mit Konsumwünschen stellt eine zunehmende Herausforderung für Eltern dar. Was als angemessen beurteilt wird, ist von Familie zu Familie verschieden und steht meist in direktem Zusammenhang mit dem Konsumverhalten der jeweiligen Erwachsenen. Die meisten Menschen verfügen nicht über unbegrenzte finanzielle Mittel. Wie immer Sie Ihre persönlichen Prioritäten bei Anschaffungen aller Art setzen, Sie sollten Ihrem Kind vermitteln, dass nicht alle Wünsche immer sofort erfüllbar sind und das Befriedigen von Bedürfnissen manchmal auch aufgeschoben werden muss. Definieren Sie erst für sich, in welchem Rahmen Sie Konsumwünsche Ihres Kindes erfüllen möchten und können. Innerhalb dieses Rahmens ist dann Platz für Verhandlungen. Sobald Ihr Kind den Zahlenraum 100 überblickt, kann auch eigenes Taschengeld dazu beitragen, den Umgang mit Geld zu üben.

Gesundheit

Bei Handys handelt es sich um Funkgeräte, die Mikrowellen aussenden. Die Ärztekammer warnt vor einem erhöhten Gesundheitsrisiko, dem vor allem unter 10-jährige Kinder durch diese Strahlenbelastung beim Telefonieren ausgesetzt sind. Die Mobilfunkindustrie kontert. Informieren Sie sich gründlich. Wenn Sie sich für ein Handy entscheiden, sollten Sie auf alle Fälle Nutzungsregeln (zum Beispiel möglichst kurze und nur unbedingt nötige Anrufe, Ausschaltzeiten …) mit ihrem Kind vereinbaren. Für Kindergarten- und Volksschulkinder haben Eltern außerdem noch eine bedeutende Vorbildfunktion. Überdenken Sie daher auch Ihr eigenes Telefonierverhalten.

Sicherheit und Kontrolle

Ein wichtiges Argument, vor allem für berufstätige Eltern, ist, dass Kinder, die Handys haben, jederzeit damit Hilfe holen können und erreichbar sind. Überlegen Sie dazu, in welchen Situationen ein Mobiltelefon tatsächlich nützlich sein könnte, um die Sicherheit Ihres Kindes zu erhöhen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie es sich im Straßenverkehr, auf dem Schulweg, Fremden, aber auch vertrauten Personen gegenüber richtig verhalten kann, um sich selbst bestmöglich zu schützen. Bemühen Sie sich um eine vertrauensvolle Beziehung. Ihr Kind sollte auch unangenehme Situationen mit Ihnen besprechen können und von Ihnen mit seinen Gefühlen ernst genommen und unterstützt werden. Dadurch ermöglichen Sie ihm zu lernen, wie es Gefahren richtig einschätzen und umgehen kann und welche Vertrauenspersonen bei Bedarf helfen können. Vertrauensvolle und offene Beziehungen zwischen Eltern und Kindern oder Jugendlichen bieten in aller Regel mehr Sicherheit und Schutz als Kontrolle und Misstrauen. Dennoch kann ein Handy in vielen Situationen hilfreich sein. Ein kurzer Anruf, mit dem man über eine Busverspätung informiert wird, hat eine enorm entspannende Wirkung!

Kosten

Jüngere Kinder bis zum Ende der Volksschule können die Kosten, die ein Mobiltelefon verursacht, noch nicht überblicken. Sie sollten daher bereits vor Inbetriebnahme eines Handys überlegen, wie Sie bösen Überraschungen bei der monatlichen Telefonabrechnung vorbeugen können. Die Kosten lassen sich mittels Wertkarte oder festgelegten Limits begrenzen. Bereits bei der Anschaffung eines Mobiltelefons sollten Sie sich weiters Gedanken darüber machen, welchen Zweck das Gerät erfüllen soll und welche Funktionen daher erforderlich sind. Bei jüngeren Kindern sollten diese sehr überschaubar sein, das Telefonieren und Versenden von SMS sind in der Regel ausreichend. Verschiedene Ein Internetanschluss verursacht zusätzliche Kosten und eröffnet einen unkontrollierten Zugang zu Internetseiten, die möglicherweise noch nicht für Ihr Kind geeignet sind …

 Nehmen Sie sich Zeit, um mit Ihrem Kind gemeinsam die Vor- und Nachteile eines Handykaufs aus den jeweiligen Blickwinkeln gegeneinander abzuwägen. Damit vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie es mit seinen Wünschen ernst nehmen, und ermöglichen ihm, Ihre Überlegungen nachzuvollziehen, unabhängig davon, ob Sie sich danach für oder gegen die Anschaffung eines Mobiltelefons entscheiden.