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Simone Breit: "Kinder lernen im Kindergarten vieles"

Simone Breit ist Erziehungswissenschafterin sowie Kindergarten- und Hortpädagogin im bifie – Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens.

Glauben Sie, dass die frühe Förderung geeignet ist, spätere Schulprobleme zu verhindern und den Einstieg in die Schule zu erleichtern?
Als Kindergartenpädagogin bin ich von der positiven Wirkung des Kindergartens überzeugt. Kinder lernen dort spielerisch vieles, was sie in der Schule brauchen können: sich an Regeln zu halten, einen Stift zu benutzen, sich als Teil einer Gruppe zu sehen. Diese Erfahrungen helfen den Kindern beim Eintritt in die Schule.

Der Kindergarten bereitet Kinder durch das umfassende Bildungsangebot auf die Schule vor – Schulprobleme verhindern kann der Kindergarten jedoch nicht, denn die Schule stellt eigene Anforderungen und Herausforderungen an die Kinder. Frühe Förderung beginnt auch nicht erst mit dem Kindergarteneintritt – die Eltern sind von Geburt an wichtige Bezugspersonen und Entwicklungsbegleiter. Auf diesem Fundament der vorschulischen Erfahrungen bauen die schulischen Lernprozesse auf.

Gibt es Studien, die beweisen, dass sich die frühe Förderung positiv auf den späteren Bildungsweg auswirkt?
In Österreich gibt es leider viel zu wenig Forschung auf diesem Gebiet. Aus Studien anderer Länder (z. B. USA, England, Deutschland) wissen wir jedoch, dass sich der Besuch des Kindergartens günstig auf die Bildungslaufbahn auswirkt. Eine große Bedeutung kommt der Dauer des Kindergartenbesuchs zu: Ein mehrjähriger Kindergartenbesuch ist besser als ein einjähriger Besuch.

Weiters ist erwiesen, dass es nicht nur darauf ankommt, ob und wie lange ein Kind einen Kindergarten besucht hat, sondern dass auch die Qualität der pädagogischen Prozesse im Kindergarten einen eigenständigen Einfluss auf das Entwicklungsniveau der Kinder hat. Die positiven Effekte zeigen sich nicht nur bei schulischen Leistungen, sondern auch im Sozialverhalten, in der Selbstständigkeit etc.

Ist es Ihrer Meinung nach sinnvoll, nicht nur einen Aspekt, z. B. die Sprachfähigkeiten, zu fördern?
Der elementarpädagogischen Arbeit liegt das Prinzip der Ganzheitlichkeit zu Grunde. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass verschiedene Entwicklungs- und Kompetenzbereiche einander gegenseitig bedingen, und dass ein Kind in seiner Gesamtpersönlichkeit und damit in unterschiedlichen Fähigkeitsbereichen gefördert werden soll.

Sie haben in einer Studie zum Thema "Erfolg der so genannten Sprachtickets" (Gutschein für 120 Stunden vorschulische Sprachförderung, die Eltern freiwillig nützen können) nachgewiesen, dass sie keine Verbesserung erzielt haben. Warum?
Gründe, also Antworten auf Warum-Fragen, sind oftmals nicht Gegenstand der Untersuchung – so auch in meiner Studie. Evaluationsstudien überprüfen in der Regel die Wirksamkeit einer Maßnahme. Durch zahlreiche Interviews mit betroffenen Pädagoginnen lassen sich nur Vermutungen anstellen: Der Zeitraum für die Fördermaßnahmen war zu kurz, die Rahmenbedingungen in den Kindergärten sind oft nicht optimal, sodass Kleingruppenarbeit nur schwer durchführbar ist und manchen Pädagoginnen fehlt spezifische Weiterbildung im Bereich Sprachförderung.

Wie kann man Kinder schon im Kindergarten umfassend fördern?
Am wirksamsten ist ein so genannter doppelter Interventionsansatz. Das bedeutet, dass ein Kind sowohl in der familiären Umgebung als auch in der institutionellen Umgebung (Kindergarten, Kindergruppe) entwicklungsgemäße Angebote erfährt.

Zur umfassenden Förderung und Entwicklungsunterstützung gehört zunächst eine positive emotionale Beziehung zum Kind. Das Kind soll sich geborgen, ernst genommen und willkommen fühlen. In der Familie geht es um alltagsbezogene Aktivitäten mit dem Kind wie Rad fahren, kochen, ein Buch vorlesen. Bei diesen kindgemäßen Aktivitäten entwickeln sich unter anderem die Grob- und Feinmotorik des Kindes, der sprachliche Ausdruck verbessert sich etc.

Im Kindergarten erfährt das Kind durch die Kindergartenpädagogin ein umfassendes Bildungsangebot und professionelle Entwicklungsunterstützung. Darunter sind nicht nur die von der Pädagogin geplanten Bildungsangebote (wie ein Sachgespräch, eine Bewegungseinheit) zu verstehen, sondern auch das kindliche Spiel, denn das Spielen im vorschulischen Alter bedeutet zu lernen.

Sie sind für das Projekt "Frühkindliche Sprachstandsdiagnostik" verantwortlich. Dabei geht es darum herauszufinden, ob Kinder im Bereich Sprache Verzögerungen aufweisen oder keinen adäquaten Entwicklungsstand aufweisen. Wie schauen diese Tests aus?
Die Sprachstandsfeststellung ist kein Test, sondern findet in Form einer systematischen Beobachtung statt. Ziel der Sprachstandsfeststellung ist es, jene Kinder herauszufiltern, die in der Sprachaneignung im letzten Kindergartenjahr noch differenziert unterstützt werden sollen.

Der Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder in der gewohnten Umgebung beurteilt werden. Der Beobachtungsbogen gibt einheitliche Kriterien vor, nach denen die Sprachkompetenz der Kinder zu beurteilen ist. Beispiele: Spricht das Kind in Mehrwortsätzen? Bildet es die Mehrzahl richtig? Da die Beobachtung im Rahmen des Kindergartenalltags und auf spielerische Weise stattfindet, werden die Kinder von der Beobachtung gar nichts bemerken.