Gesund essen – was heißt das?
Wir haben bei Ernährungsexpertin Sasha Walleczek nachgefragt: Müssen Kinder wirklich anders essen?

Kinder & Co: Was heißt für Sie „gesunde Ernährung“?
Sasha Walleczek: Gesunde Ernährung besteht aus Lebensmitteln, die meinem Körper etwas geben und ihn mit dem versorgen, was er braucht. Dass das auch schmecken muss, ist eh klar. Denn Essen muss IMMER Genuss sein.
Worauf sollte man beim Einkaufen achten?
Kaufen Sie möglichst naturbelassene, unverarbeitete Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Fleisch etc. Lesen Sie Etiketten und vermeiden Sie alles, wo Zucker zugesetzt worden ist. Natürlich kann und soll man auch hin und wieder etwas Süßes essen, aber eben nur hin und wieder – deswegen hat Zucker in den Frühstücksflocken auch nichts verloren.
Was sagen Sie zu Fertigprodukten?
Bei Fertigprodukten muss man von Fall zu Fall unterscheiden: Reden wir hier von den italienischen Kartoffel-Gnocchi in der Kühlabteilung, die weder Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoffe enthalten, oder von der Packerlsuppe, die zu viel Salz, Aromen und gehärtete Fette enthält? Da gibt es riesige Unterschiede. Daher immer Etiketten lesen.
Worauf muss man bei der Ernährung von Kindern besonders achten?
In der Kindheit erwerben wir Gewohnheiten für den Rest unseres Lebens. Und wir alle wissen, wie schwer es ist, Ernährungsgewohnheiten als Erwachsene zu ändern. Daher ist es besonders wichtig, den Kindern möglichst früh ein möglichst gutes Ernährungsverhalten beizubringen, damit es zur ganz selbstverständlichen Gewohnheit wird. Es ist ein Irrglaube, dass man Kindern stark gesüßte oder fette Kinderlebensmittel geben kann und ihnen nie wirklich beibringen muss, Gemüse und Obst zu essen – und mit 18 oder 20 Jahren werden sie dann wunderbarerweise ihre Liebe zu Vollkornbrot und Brokkoli entdecken. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr – oder eben sehr viel mühsamer.
Wann gilt ein Kind als übergewichtig?
Das hängt von Alter und Geschlecht ab, dafür gibt es BMI-Tabellen, die das genau angeben. Aber grob gesagt gelten Kinder schon ab einem viel niedrigeren BMI als übergewichtig als Erwachsene, weil Kinder von Natur aus eben recht mager sein sollten.
Was tue ich, wenn mein Kind die typischen „gesunden“ Lebensmittel einfach nicht mag?
Vorbild sein. Das ist das Wichtigste. Als nächsten Schritt würde ich dafür sorgen, dass es die „ungesunden“ Lebensmittel im Haushalt einfach nicht gibt und dass trotzdem die gesunden Lebensmittel regelmäßig angeboten werden. Tipps und Tricks, wie man Kinder ohne Druck dazu bringt, gibt’s in meinem neuen Buch.
Worauf ist beim Kochen zu achten?
Gut und gesund kochen muss nicht kompliziert sein und jeder kann es lernen. Die meisten meiner Rezepte sind in weniger als 25 Minuten fertig auf dem Tisch. Und das geht sogar schneller, als eine Pizza zu bestellen.
Gut & günstig – geht das?
Ja, klar! Gerade wenn man naturbelassene, unverarbeitete Lebensmittel kauft, spart man viel Geld – und bekommt viel bessere Qualität. Denn Verarbeitung, Verpackung und natürlich teure Werbung für „Markenprodukte“ kosten viel Geld, was sich natürlich im Preis niederschlägt. Für Brokkoli macht keiner Werbung, für Kindermüsli schon – da muss man nicht lange nachdenken, was das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis ist.



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