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Aus Mädchen werden Mamas
Im Mutter-Kind-Zentrum der MAG ELF in Favoriten werden 26 junge Mütter von Sozialpädagoginnen betreut und unterstützt. Wir haben die Leiterin, Elisabeth Skricik, zum Gespräch getroffen.

Kinder & Co: In der MAG-ELF-Einrichtung im zehnten Bezirk werden zwei Gruppen mit jeweils 13 jungen Müttern von insgesamt 13 Sozialpädaoginnen betreut. Wie kann man sich den Alltag vorstellen?
Elisabeth Skricik: Es ist ein sehr anstrengender Alltag. Die jungen Frauen und ihre Kinder werden von uns Pädagoginnen rund um die Uhr betreut. Tagsüber sind zwei Pädagoginnen, in der Nacht ist eine anwesend. Wir geben ihnen eine Anleitung, wie der Lebensalltag und die Lebenspraxis funktionieren und helfen den jungen Müttern weiter – und zwar in jeder Hinsicht. Sei es, wenn diese Rat oder Tipps bei der Kindererziehung brauchen, Hilfe bei bürokratischen Angelegenheiten benötigen oder einfach mit jemandem reden wollen. Auch bei Familienkonflikten oder Partnerschaftsangelegenheiten versuchen wir zu vermitteln. Nicht zuletzt sind wir bei der Suche nach einer geeigneten Ausbildung, einem Kindergartenplatz, einer Tagesmutter und vielem mehr behilflich. Trotz unseres Einsatzes können wir Pädagoginnen jedoch keine Eltern oder Familie ersetzen.
Wir sind aber nicht nur für junge Mütter im Einsatz. Unabhängig davon machen wir telefonische Krisenintervention. Das heißt, wir versuchen für Kinder in Krisenfällen im Alter von zwei bis drei Jahren, deren Eltern der Betreuung nicht mehr nachkommen können oder denen die Obsorge entzogen worden ist, kurzfristig einen Platz bei Verwandten oder Bekannten zu finden.
Findet sich niemand, übernehmen wir an Wochenenden und Feiertagen die Betreuung von Kindern bis zu zwei Jahren. Unter der Woche kommen die Kinder zu den jeweiligen Regionalstellen – Soziale Arbeit mit Familien.
Welche jungen Mütter werden hier aufgenommen?
Wir erhalten Anfragen von den Regionalstellen – Soziale Arbeit mit Familien aus den Bezirken. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter melden sich, falls eine Schwangere in desolaten Verhältnissen lebt, keinen Platz hat oder nicht in der Familie bleiben kann. Die jungen Frauen bekommen dann bereits während der Schwangerschaft einen Platz bei uns. Voraussetzung ist, dass die junge Frau überhaupt imstande ist, die Betreuung eines Kindes zu übernehmen. Ist sie beispielsweise schwer drogenkrank, ist dies nicht möglich.
Einige haben bereits in einer stationären Einrichtung der MAG ELF, etwa einer betreuten Wohngemeinschaft oder im Krisenzentrum, gelebt.
Dürfen die jungen Mütter auch Besuch empfangen?
Ja, es gibt fixe Besuchszeiten, in denen meist die Familien der jungen Mütter kommen. Wir versuchen, auch sie in die Erziehung des Kindes mit einzubeziehen, damit die junge Mutter auch von dieser Seite unterstützt wird.
Wie sehen die jungen Mütter ihre eigene Rolle?
Oft steckt dahinter ein sehr unrealistisches Bild, dass sich die Jugendliche zurechtzimmert: Manche wollen damit den Traum einer Familie verwirklichen, andere fühlen sich als Mutter endlich wertvoll und ernst genommen – ob vom Partner oder von der Familie. Die Wahrheit sieht aber anders aus, ein Kind hat Bedürfnisse und ist keine Puppe. Das wird ihnen oft erst bewusst, wenn der Säugling seine eigenen Bedürfnisse entwickelt.
Die jungen Mütter müssen diesbezüglich viel leisten und erkennen, dass die Kinder plötzlich der Lebensmittelpunkt sind. Die Wertigkeit verschiebt sich so vom Ich aufs Du. Zudem kommen die meisten jungen Frauen aus schwierigen familiären Verhältnissen, haben gewaltvolle Beziehungen hinter sich oder Ähnliches – eine extreme Stresssituation also.
Was passiert, wenn die junge Mutter es nicht schafft, das Kind zu betreuen?
Dann übernimmt das Jugendamt die Obsorge. Anzeichen, dass die junge Mutter dem Druck nicht mehr standhält und die Belastung zu groß wird, sind etwa, wenn sie Ausgehzeiten nicht mehr einhält, zu spät kommt, das Kind vernachlässigt. Innerhalb von vier bis acht Wochen finden die Sozialpädagoginnen und -pädagogen sowie die Psychologinnen und Psychologen in der so genannten „Abklärung“ heraus, ob die Mutter auf lange Sicht die Betreuung des Kindes übernehmen kann. Währenddessen darf das Mädchen aber weiterhin hier wohnen.
Im Falle der Entscheidung, dass das Jugendamt die Betreuung übernimmt, unterstützen und begleiten wir die Mädchen. Wir vermitteln ihnen, dass die Unterbringung des Kindes in einer Pflegefamilie auch eine positive Perspektive ist und es so die Chance hat, sich gesund zu entwickeln. Und wir versuchen, die Schuldgefühle und Versagensängste der jungen Frauen zu mildern.
Und falls es die Mutter schafft?
Dann kommt sie entweder wieder in ihre Familie zurück oder in eine private Mutter-Kind-Einrichtung, in der sie weniger intensiv betreut wird.
Halten sie Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Psychologinnen und Psychologen sowie Betreuerinnen und Betreuer für fähig, eigenständig zu leben, zieht sie in eine eigene Wohnung – bleibt aber mit den zuständigen Sozialstellen in Kontakt.
Wir klären im Vorfeld ab, welche ambulante Unterstützung es in der Nähe der jungen Mutter gibt und was sie braucht – beispielsweise, ob sie eine Sachwalterin bzw. einen Sachwalter benötigt.
Schon bevor sie ihr selbstständiges Leben startet, bereiten sie die Sozialpädagoginnen und -pädagogen auf die Welt „draußen“ vor. Das heißt, die Pädagogin bzw. der Pädagoge zieht sich mehr und mehr zurück, überlässt der jungen Mutter viele Entscheidungen selbst usw. Grundsätzlich kann die junge Mutter bis zur Volljährigkeit bei uns bleiben.
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