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In der betreuten Wohngemeinschaft Columbusgasse leben Kinder, die bald wieder zu ihrer Familie zurückkehren: Die Eltern können und wollen die Erziehung wieder übernehmen. Unterstützung kommt von der MAG ELF.

Wie die Arbeit in der WG ausschaut, hat "Kinder & Co" Josef Haiduck, Regionalleiter der Sozialpädagogischen Einrichtungen für den 10. und 23. Bezirk, und die Sozialpädagogin Anita Rogi gefragt.
K&C: Wie viele Kinder leben in der WG Columbusgasse?
Anita Rogi: Normalerweise sind bei uns acht Kinder untergebracht; derzeit sind es sechs im Alter von fünf bis 15 Jahren.
Angenommen, ein Kind wird zuhause vernachlässigt oder schlecht behandelt, wo kommt es dann hin?
Josef Haiduck: Kurz zusammengefasst: Entscheidet die zuständige Sozialarbeiterin bzw. der zuständige Sozialarbeiter, dass das Kind nicht zuhause bleiben kann und soll, wird es zuerst in einem Krisenzentrum aufgenommen. Das ist die erste Aufnahmestelle. Von hier aus wird versucht, die Verbindung zwischen den Eltern bzw. der jeweiligen Betreuungsperson (das können auch Großmutter, Onkel oder andere sein) und dem Kind wieder herzustellen. Das geschieht durch Gespräche mit Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, Psychologinnen und Psychologen usw. Kommt es jedoch zu keiner weiteren Annäherung, kommt das Kind zu einer Pflegefamilie oder in eine Wohngemeinschaft.
Seit wann gibt es die WG Columbusgasse und wodurch unterscheidet sie sich von anderen WGs der MAG ELF?
Josef Haiduck: Hierher kommen Kinder, deren Eltern ihre Erziehungskompetenz wieder aufbauen wollen und auch können. Wir helfen, den Kontakt zwischen Eltern und Kindern schrittweise aufzubauen. Die Kinder sind jedes Wochenende, in den Ferien sowie einen Monat im Sommer bei ihren Eltern. Das wird dann schrittweise ausgeweitet. Ein Mal pro Woche kommen wiederum die Eltern zu uns. Wir sprechen dann mit ihnen darüber, wie sie die gemeinsame Zeit mit den Kindern erlebt haben, was problematisch war und so weiter. Natürlich sind wir auch eine Entlastung für die zwölf anderen WGs in unserer Region. Eröffnet wurde unsere WG voriges Jahr.
Anita Rogi: Es geht meist um ganz konkrete und praktische Dinge, die wir vermitteln. Zum Beispiel, wie man die Zeit mit dem Kind sinnvoll verbringen kann und dass es mehr gibt, als mit dem Kind nur vor dem Fernseher zu sitzen.
Josef Haiduck: Dafür müssen aber die Eltern wissen, dass es etwas anderes als Fernsehen gibt. Viele kennen aber aus ihrer eigenen Kindheit nicht viel mehr. Es ist daher notwendig, die Biografie der Eltern anzuschauen, zu sehen, aus welcher familiären Situation sie kommen. Für eine erfolgreiche Erziehung müssen aber Eigenverantwortung und Selbstwertgefühl vorhanden sein. Dabei wollen wir ebenfalls mithelfen.
Das heißt, dass die Kinder, die vorher bereits in einer WG mit Kindern und Betreuerinnen bzw. Betreuern gelebt haben, dann in die WG in der Columbusgasse kommen und am Ende nachhause. Aber ist es dadurch nicht so, dass die Kinder einmal da und einmal dort sind und nie Kontinuität erleben?
Anita Rogi: Es stimmt zwar, dass die Kinder bereits in sehr jungen Jahren viel erleben. Wird ein Kind vernachlässigt, ist es bei uns sicher besser aufgehoben. Gibt es aber die Chance, dass die Eltern die Erziehung wieder übernehmen können, ist es sicher am besten und sinnvollsten, dass das Kind wieder in der Familie aufgenommen wird. Außer natürlich, es gab schwerwiegende Erziehungsfehler oder es war Gewalt im Spiel. Doch ansonsten möchte das Kind selbst am liebsten zu seiner Familie zurück. Und wir helfen dabei, damit es gelingt.
Wie geht es vor sich, dass ein Kind von einer WG in eine andere wechselt?
Josef Haiduck: Ein Kind wechselt nicht einfach von einer zur anderen WG. Es gibt Gespräche zwischen Pädagoginnen bzw. Pädagogen, Sozialarbeiterinnen bzw. Sozialarbeitern und den Eltern sowie Beratungen, welche Lösung die beste ist. Angenommen, ein Kind soll in unsere WG kommen, dann läuft es vereinfacht gesagt so ab: Die Sozialpädagoginnen bzw. -pädagogen der WG geben dem Kind Bescheid, dass es in unsere WG in der Columbusgasse wechseln wird. Über das Internet schaut es sich dann gemeinsam mit einer Betreuerin oder einem Betreuer schon ein bisschen in der neuen WG um. Wir haben Fotos und Pläne unserer WG hineingestellt, also kann es sich die Zimmer usw. ansehen. Dann fahren wir hin, lernen das Kind kennen, machen gemeinsam etwas und laden es schließlich zu einem Besuch in unserer WG ein. Ebenso laden wir die Eltern ein und erklären ihnen, welchen Einsatz wir von ihnen erwarten. Das notieren wir alles schriftlich und die Eltern unterschreiben diese Vereinbarung auch.
Und wenn sich das Kind in der neuen WG nicht wohlfühlt?
Anita Rogi: Dadurch, das wir immer doppelt besetzt sind, können wir uns auch sehr gut um jedes Kind kümmern und ihm helfen, sich zu integrieren.
Was, wenn die Eltern ihre Erziehungsvereinbarung doch nicht erfüllen?
Josef Haiduck: Sollte es mit der Rückführung tatsächlich nicht funktionieren, suchen wir eine passende Betreuung für das Kind. Bis jetzt war das aber zum Glück noch nie nötig.
Wie viele Kinder kehren pro Jahr nachhause zurück?
Josef Haiduck: Es ist immer verschieden, aber es gibt durchschnittlich drei Kinder pro Jahr, die nachhause gehen können.
Ist es nicht schwierig, wenn ein Kind, das man sehr lieb gewonnen hat, geht?
Anita Rogi: Natürlich findet man es vielleicht schade, aber mit Loslassen umgehen zu können, gehört zu unserer Arbeit. Und außerdem ist es einfach schön, wenn sie nachhause können.
Bekommt das Kind keine Betreuung mehr, wenn es wieder zuhause ist?
Anita Rogi: Wenn Begleitung nötig ist, übernehmen die Aufgabe Kolleginnen und Kollegen der Mobilen Betreuung. Auch mit uns oder der Sozialberatung bleibt der Kontakt meist aufrecht. Und manchmal besuchen uns Eltern und Kinder von früher.
"Kinder & Co" dankt für das Gespräch.
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