Lernen mit Bewegung
Bei der Initiative „Bewegtes Lernen – Gesundheitsförderung / Das Wiener Modell“ werden alle Sinne angesprochen. Wir haben Marina Thuma, die Leiterin der Initiative, befragt.
Bewegung fördert das kognitive Lernen der Kinder.
Kinder & Co: Worum geht es bei „Bewegtes Lernen – Gesundheitsförderung / Das Wiener Modell“?
Marina Thuma: Im Unterricht wird mit und durch Bewegung gelernt, wie beispielsweise wird ein Buchstabe oder eine Zahl mit allen Sinnen erfasst. Das heißt, er bzw. sie wird ganzkörperlich erfahren und nicht nur über einen Sinneskanal kennen gelernt.
Wie geht das?
Angenommen, die Kinder lernen einen neuen Buchstaben. Dann wird dieser nicht nur lautiert und auf ein Blatt geschrieben, sondern mit dem ganzen Körper nachempfunden: Ein Kind schreibt den Buchstaben mit dem Finger auf den Rücken eines anderen Kindes. Dann wird der Buchstabe auf einem großen Papier auf dem Boden aufgezeichnet und die Kinder können dem Buchstaben in der richtigen Raumlage nachgehen. Lernen durch Bewegung ist eine lustbetonte und altersadäquate Ergänzung zum traditionellen Lernen.
In den BWL-Schwerpunktklassen werden auch vielerlei Geräte, wie Rollbretter oder Gleichgewichtsscheiben, eingesetzt.
Für welche Kinder ist das Programm gedacht?
Es ist vor allem für Volksschülerinnen und -schüler geeignet, aber die Initiative ist auch in der Kooperativen Mittelschule und in der AHS-Unterstufe erprobt worden.
Lernen die Kinder dadurch besser?
Es geht bei „Bewegtes Lernen – Gesundheitsförderung“ nicht nur um leistungsorientiertes Lernen, sondern darum, dass die Kinder mit Freude und Aufmerksamkeit dabei sind und durch Erleben, Denken und Handeln Zusammenhänge erfahren und erkennen.
Gesundheitsförderung und Prävention ist bei diesem Programm ein wichtiger Aspekt. Das Institut Bewegtes Lernen (IBL) arbeitet eng mit der MA 15 – Gesundheit und Soziales, Orthopädinnen und Orthopäden, Physiotherapeutinnen und -therapeuten zusammen und führen Gesundheitsscreenings, wie Wirbelsäulenchecks, S3-Koordinationstests oder sportmotorische Tests durch. Schließlich bilden sich im Volksschulalter die meisten skoliotischen Fehlhaltungen aus.
Durch „Bewegtes Lernen“ trainieren die Kinder die sportmotorischen Grundeigenschaften, wie Gleichgewicht, Ausdauer und Konzentration.
Auch in sozialer Hinsicht hilft „Bewegtes Lernen“ den Kindern. Die BWL-Lehrerinnen und -Lehrer bestätigen, dass die Schülerinnen und Schüler weniger aggressiv sind, dafür lernfreudiger, ausgeglichener und konzentrierter. Auch die Pausen laufen entspannter und konfliktfrei ab.
All diese Ergebnisse sind in einer vierjährigen Evaluationsstudie in Kooperation mit der Universität Wien, dem Boltzmann-Institut für Schulentwicklung und der Sportuniversität Wien wissenschaftlich bestätigt worden.
Wie funktioniert „Bewegtes Lernen“? Können sich die Lehrerinnen und Lehrer dafür ausbilden lassen?
An der PH Wien bzw. am IBL – Institut Bewegtes Lernen wird die Fortbildung „Bewegtes Lernen – Gesundheitsförderung“ für Lehrerinnen und Lehrer angeboten. Bei diesem Lehrgang erhalten Pädagoginnen und Pädagogen der Pflichtschulen Ideen und Anregungen, wie sie die Bewegungsimpulse und -elemente in ihren Unterricht integrieren können.
Wo gibt es „Bewegtes Lernen“?
Derzeit gibt es an 180 Wiener Schulstandorten „Bewegtes Lernen“ als Schwerpunkt. Viele Pädagoginnen und Pädagogen haben die gesamte Ausbildung oder auch Teilbereiche daraus absolviert. Referentinnen und Referenten bieten verschiedene Sportarten und Bewegungsansätze an, die Lehrerinnen und Lehrer wählen können. Die Aktion wird von der Stadt Wien unterstützt.
Wer hat „Bewegtes Lernen“ entwickelt?
Ich habe mit Elfriede Preschern und Sportlehrer, Heil- und Sportmasseur sowie Sporttherapeut Harald Bärenthaler haben die Initiative vor zehn Jahren entwickelt. Wissenschaftliche Studien und Voruntersuchungen aus Deutschland und der Schweiz sind für das Konzept herangezogen worden.
Wie ist das Feedback der Eltern?
Die Eltern sind begeistert, besonders der gesundheitsfördernde Aspekt wird als sehr wichtig empfunden. Wichtig ist den Erziehungsberechtigten die Nachhaltigkeit der Initiative durch die tägliche Umsetzung durch die Klassenlehrerinnen und -lehrer.
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