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Traumjob Kindergartenpädagoge
Walter Lex ist Grafiker gewesen und lässt sich jetzt zum Kindergartenpädagogen ausbilden. Wir haben ihn gefragt, wieso er sich zu diesem Schritt entschieden hat.

Kinder & Co: Sie sind als selbstständiger Grafiker tätig gewesen. Hat Sie der Job nicht mehr interessiert? Und wie sind Sie dann auf die Idee gekommen, eine Ausbildung zum Kindergartenpädagogen zu machen?Walter Lex: Mein Grafiker-Job hat mir zwar gefallen und ich möchte auch in Zukunft wieder grafisch arbeiten, falls es die Zeit zulässt und es interessante Projekte gibt. Doch die ständige Arbeit vor dem Computer ist doch sehr unkommunikativ gewesen. Ich möchte mehr mit Menschen arbeiten. Aber an Kindergartenpädagoge habe ich damals nicht gedacht. Mich hat der Sozialbereich interessiert. Doch dann habe ich in wien.at gelesen, dass man sich für eine Ausbildung zum Kindergartenpädagogen bewerben kann. Und ich bin draufgekommen: Eigentlich arbeite ich gern mit Kindern und es würde mir Spaß machen. Also habe ich mich beworben und die Aufnahmeprüfung gemacht. Die gesellschaftspolitische Relevanz – also wie bedeutend die Arbeit mit Kindern ist, wie wichtig Erziehung, Bildung und Betreuung sind – ist mir erst später bewusst geworden.
Wie lief das Aufnahmeverfahren ab?
Es hat fünf Stunden gedauert und ist sich in verschiedene Bereiche unterteilt gewesen. Dabei ist es um musikalische, sportliche und praktische Fähigkeiten sowie Grundlagen gegangen. Außerdem hat es ein Einzelgespräch sowie eine Gruppendiskussion gegeben. Anscheinend habe ich mich ganz gut behauptet. Denn ich bin verständigt worden, dass ich aufgenommen bin.
Sie haben jetzt ein Jahr hinter sich und noch eineinhalb Jahre vor sich. Entspricht die Ausbildung Ihren Erwartungen?
Es ist sehr intensiv und viel anstrengender, als ich gedacht hätte. Die Themen sind extrem interessant, aber die Belastung ist sehr groß. Wir haben eine 40-Stunden-Woche, dazu kommen Vorbereitungen für Referate, für Kindergartenbesuche, Zusatzkurse usw.
Wie sieht der Wochenablauf aus?
Wir haben theoretischen und praktischen Unterricht. Im theoretischen erlernen wir viel zu Didaktik und Pädagogik. Natürlich kommen auch Musik-, Werk- und Sportunterricht dazu.
Was muss man im Sportunterricht tun?
Wir müssen beispielsweise den Schwimmhelferschein machen oder vom 3-Meter-Brett springen. Zum Glück bin ich sportlich, für einige andere ist das schon eine große Hürde.
Was passiert im praktischen Unterricht?
Ich arbeite im Kindergarten Lippmanngasse ganz normal im Betrieb mit. In einem so genannten Praxiskindergarten sind wir auch ein Mal die Woche tätig. Das heißt, dort bekommen wir Aufgaben von der Schule gestellt, die wir erfüllen müssen. Dadurch lernen wir auch einen anderen Platz, andere Kinder und eine andere Regionalleitung kennen.
Können Sie sich noch an Ihren ersten Tag im Kindergarten erinnern?
Ja, da bin ich schon extrem aufgeregt und sehr unsicher gewesen – aber zum Glück sind die Kinder ganz unkompliziert gewesen und sofort auf mich zugegangen. Ich bin dann mit einigen im Bewegungsraum gewesen und wir haben Fußball gespielt.
Sie sind als männlicher Kindergartenpädagoge noch immer eine „Ausnahmeerscheinung“. Was haben Freundinnen und Freunde, Bekannte und Verwandte zu Ihrer Entscheidung gesagt?
Sie haben mich alle bestärkt und meine Entscheidung begrüßt. Da hat es überhaupt keine negativen Äußerungen gegeben.
Glauben Sie, dass Sie als Kindergartenpädagoge eine besondere Rolle für die Kinder spielen?
Am Anfang haben sich die Kinder wirklich auf mich gestürzt und meine Nähe gesucht. Ich glaube schon, dass sie auch das Bedürfnis nach männlichen Bezugspersonen haben. Deshalb ist es sehr schade, dass sich nicht mehr Männer für diesen Beruf engagieren.
Sie arbeiten jetzt auch fast nur mit Frauen zusammen. Wie ist das Gefühl, ein Kollege unter lauter Kolleginnen zu sein?
Am Anfang ist das ehrlich gesagt schon komisch gewesen, weil ich es einfach nicht gewohnt gewesen bin. Und ich habe auch das Gefühl gehabt, besonders unter Beobachtung zu stehen. Es ist schon ein großer Unsicherheitsfaktor gewesen. Ich habe eben eine exponierte Stellung, das ist oft nicht ganz einfach für mich, weil ich nicht gern im Mittelpunkt stehe.
Wenn Sie Ihre Anfänge im Kindergarten mit Ihren Erfahrungen jetzt vergleichen: Hat sich da viel verändert?
Auf alle Fälle, obwohl ich noch immer glaube, noch viel lernen zu müssen. Aber begonnen habe ich als Praktikant. Da habe ich mich auch mal auf drei Kinder konzentrieren und mit ihnen etwas spielen können. Aber – in meiner derzeitigen Rolle als Pädagoge in Ausbildung unterstützend – mit der gruppenführenden Pädagogin für eine ganze Gruppe verantwortlich zu sein, Dinge zu organisieren, die Kinder zu fördern, das ist schon etwas anderes.
Sie arbeiten in einem Integrationskindergarten, den auch Kinder mit besonderen Bedürfnissen besuchen …
Richtig. Und ich bin sehr froh, dass ich hier sein kann, denn es ist eine Bereicherung. Vor allem zu sehen, dass die Kinder Fortschritte machen – mit anderen spielen, in einer Gemeinschaft sein können. Das ist einfach sehr schön.
Wie beurteilen Sie Ihre jetzige Arbeit im Vergleich zum früheren Job?
Es ist viel befriedigender, weil ich wirklich „an der Basis“ arbeiten und Kindern viel mitgeben kann.
Sie haben auch eine fünfjährige Tochter. Hat Ihre Ausbildung auch Einfluss auf die Erziehung?
Ja, durch das viele pädagogische und didaktische Wissen gehe ich mit manchen Dingen ganz anders und überlegter um. Auf alle Fälle ein positiver Einfluss.
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