Gewaltfreie Erziehung
Auch wenn der Geduldfaden reißt – Gewalt ist keine Lösung. Wobei nicht nur körperliche Misshandlung zu Gewalt zählt, wie die MAG ELF-Expertin Herta Staffa weiß.
Ruhig bleiben und mit dem Kind sprechen: Manchmal ist es gar nicht so einfach.
Gewalt ist aus der Erziehung leider bis heute nicht verschwunden. Nach wie vor sind viele Kinder davon betroffen. Sie wird in vielfältiger Weise ausgeübt. Die Formen der Gewaltanwendung sind vielfältig und gehen über die "g'sunde Watschn" weit hinaus.
- Körperliche Misshandlung:
Körperliche Misshandlung bedeutet alle Formen physischer Gewalt, egal ob im Affekt oder als bewusst geplante "Erziehungsmaßnahme" (zum Beispiel die "g'sunde Watsch'n", Quälen, Schlagen ...). - Sexuelle Gewalt:
Sexuelle Gewalt bedeutet, dass eine Person ihre eigene Überlegenheit oder die Unwissenheit, das Vertrauen oder die Abhängigkeit eines Kindes oder Jugendlichen benützt, um Macht auszuüben - um eigene sexuelle Bedürfnisse oder jene von anderen Personen zu befriedigen. - Seelische und körperliche Vernachlässigung:
Seelische und körperliche Vernachlässigung ist eine nicht ausreichende Beachtung der emotionalen, seelischen und körperlichen Bedürfnisse eines Kindes. Entwicklungsrückstände, Verhaltensstörungen und unter Umständen eine lebensbedrohende gesundheitliche Gefährdung können entstehen (zum Beispiel ein Kleinkind ins Gitterbett sperren und weggehen, ein Baby mangelhaft ernähren und pflegen ...). - Emotionale/psychische Misshandlung:
Emotionale/psychische Misshandlung umfasst alle Handlungen, durch die Kinder oder Jugendliche Ablehnung, Demütigung oder das Gefühl von Wertlosigkeit erfahren, bedroht und geängstigt werden (zum Beispiel Psychoterror ausüben, herabwürdigen, Androhungen, durch die sich das Kind seelisch vernichtet fühlt ...). - Miterleben von Gewalt:
Wenn Familienmitglieder einander misshandeln, sind Kinder mit betroffen. Sie erleben Angst, Ohnmacht und fühlen sich im Stich gelassen. Ihre Entwicklungschancen sind beeinträchtigt. Sie "lernen", dass Konflikte (nur) mit Gewalt gelöst werden.
Gewalt oder Vernachlässigung bleiben nicht ohne Folgen: Sie schädigen Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung. Das gilt für körperliche Gewalt, aber auch für seelische Gewalt - Drohungen, Demütigungen, Vernachlässigung. Deshalb ist jede Form von Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen absolut verboten.
Kinder schützen- Eltern stützen
Die MAG ELF unterstützt Eltern dabei, in der Erziehung ohne Gewalt auszukommen. Damit sich in der Familie alle miteinander wieder wohler fühlen.
Das Amt für Jugend und Familie hat im Jahr 2008 rund 12000 mal abgeklärt, ob ein Kind in seiner Familie gefährdet ist. Rund 1000 mal musste im Zuge dieser Abklärung das Kind vorübergehend zu seinem Schutz aus der Familie genommen werden. Rund 6000 Kinder konnten aber durch eingeleitete Maßnahmen zur Unterstützung der Erziehung in ihren Familie bleiben.
Wenn Sie glauben, mit gewaltfreien Erziehungsmitteln nicht auszukommen, können Sie Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen.