„Gleiche Chancen für alle Kinder“
Katharina Rozsa ist Tandemlehrerin in der offenen Volksschule Märzstraße in Penzing. Sie hilft Kindern mit Schwierigkeiten über den Weg der Begabungsförderung beim Anschluss an die Klassengemeinschaft.
Das Tandemprojekt ermöglicht schwierigen Kindern eine Schuldbildung.
Kinder & Co: Wie funktioniert das Tandemprojekt?
Katharina Rozsa: Das Tandemprojekt hilft Kindern, mit all ihren Begabungen, Besonderheiten und Defiziten eine Schulbildung zu bekommen. Manche Gegenstände können in der Klasse absolviert werden, andere sind nur in der Tandemgruppe machbar. Insgesamt gibt es an vier Wiener Schulen Tandemprojekte.
Wie sieht das konkret in der Volksschule Märzstraße aus?
An unserer Schule läuft das Projekt im zweiten Jahr. Derzeit betreue ich drei Burschen, maximal sieben sollten es sein. Diese kleine Gruppe ermöglicht intensive Betreuung. Ich kann ganz individuell auf die Kinder und ihre Bedürfnisse eingehen, ihnen helfen und sie bestmöglich unterstützen. Mit dieser pädagogischen Idee konnten wir schon Erfolge erzielen. Unsere Schützlinge sind großteils in einer Klasse integriert. Dafür ist auch eine sehr gute Kooperation mit den Klassenlehrerinnen und -lehrern wichtig.
Was ist das Besondere an diesen Kindern?
Diese Kinder lassen sich leicht ablenken, sind unkonzentriert und können kaum ruhig sitzen. In der Klassengemeinschaft reagieren sie oft aggressiv. Es kann zu Wutausbrüchen kommen. Meist sind diese Kinder auf einem Gebiet sehr begabt.
Wie kann man die Kinder beruhigen?
Sie brauchen viel Freiheit und eine Rückzugsmöglichkeit. Das alles finden sie in unserem Tandemraum. Jedes Kind hat dort seine eigene vorbereitete Umgebung. Dazu gehören Materialien, die hohen Aufforderungscharakter haben und mit denen die Schülerinnen und Schüler selbstständig arbeiten können. Sehr beliebt sind die Themen Weltraum, Luftfahrt, Wetter, aber auch österreichische Geschichte. Nicht fehlen dürfen ein Globus, eine gutes Leseangebot – die Schulbibliothek ist hervorragend bestückt –, Rätsel, Knobeleien und Spiele, die unter anderem das logische Denkvermögen fördern, sowie Spielautos, Bausteine und Lego. Im Laufe des heurigen Schuljahres hat sich gezeigt, dass diese Gruppe begeistert im Werkraum arbeitet. Beim Sägen, Hämmern und Bohren können sie sich sehr gut konzentrieren und arbeiten mit sehr viel Leidenschaft.
Was ist das Ziel des Projekts?
Primär sollen die Kinder mit Freude die Schule besuchen und den Anschluss an die Klassengemeinschaft finden. Sie sollen neue Freundschaften knüpfen und soziale Fähigkeiten erlernen. Wir wollen ihnen die Chance für eine positive Schullaufbahn und spätere berufliche Karriere geben.