„Wirbeltrix“, das Wirbelsäulenprogramm im Kindergarten
Robben, schlängeln und Kirschkernsackerl berühren. „Kinder & Co“ hat die Physiotherapeutin Karin Jäger gefragt, wie Kinder mit einem speziellen Bewegungsprogramm ihren Rücken stärken.
Karin Jäger bietet Kindern ein spezielles Bewegungsprogramm für den Rücken an.
Kinder & Co: Worum geht es bei „Wirbeltrix“?
Karin Jäger: „Wirbeltrix“ ist ein physiotherapeutisches Bewegungs- und Haltungsprogramm für Kinder von fünf und sechs Jahren. Wir wollen damit Haltung, Beweglichkeit, Koordination, Ausdauer und Kraft der Kinder fördern – natürlich ihrem Alter entsprechend. Das beugt späteren Haltungsschwierigkeiten vor. Wobei: Haben Kinder körperliche Schwierigkeiten, kann es später auch zu anderen Problemen kommen.
Zu welchen?
Angenommen ein Kind lernt nicht, auf einem Bein zu stehen – das kann später in der Schule durchaus auch das logische Denken beeinträchtigen. Das gilt auch für Babys: Hat sich ein Säugling nie vom Bauch in die Rückenlage gerollt, kommen gewisse Verknüpfungen im Gehirn nicht zustande. Das kann einerseits zu Haltungs-, aber auch zu kognitiven Fehlern führen.
Wie läuft das Programm ab?
Eine von uns drei Physiotherapeutinnen kommt drei Mal am Vormittag im Kindergarten vorbei. Mit maximal zwölf Kindern machen wir viele Bewegungsspiele, unter anderem Ausgleichshaltungen, aber auch Einbeinstehen. Auch Rollen, Robben und Schlängeln gehören dazu. Das Ganze kombinieren wir mit Musik und Materialien, mit denen die Kinder spielen können, wie Kirschkernsäcke, Seidentücher zum Bewegen, Bauklötze und Schwämme als Modelle für Wirbelsäulensegmente und Bandscheiben. Durch das dreimalige Wiederholen merken sich die Kinder auch viel und es ist nachhaltig.
„Wirbeltrix“ heißt das Modell, anhand dessen Sie den Kindern die Anatomie des Rückens erklären.
Ja, ist ein anatomisches Wirbelsäulenmodell mit lustigem Gesicht, durch das die Kinder erlernen, wo die Bandscheiben sind, wie ein Wirbel aufgebaut ist und wie etwa eine Skoliose aussieht. Wir vermitteln also auch theoretische Kenntnisse. Die Kinder lernen ihren Körper und ganz neue Wörter kennen. Natürlich geschieht das auf kindlicher Ebene.
Können Sie uns Beispiele für ein Bewegungsspiel geben?
Die Musik spielt, und sobald ich sie stoppe, müssen die Kinder mit einem bestimmten Körperteil das Sackerl berühren. So lernen sie auch den Unterschied zwischen links und rechts oder wie Teile ihres Körpers heißen.
Danach fliegen wir zum Planeten der Schlangen. Dort müssen wir uns wie die Schlangen bewegen. Wenn wir auf dem Planeten der Krokodile landen, ist Kriechen angesagt.
Oder wir machen mit dem fliegenden Teppich eine Reise und kommen bei den Cowboys vorbei. Dort schwingen wir das Lasso, reiten usw.
Wie ist es möglich, die Kinder zu motivieren?
Die Kinder nehmen es sehr gut an und freuen sich, wenn wir wiederkommen.
Auch Kindern die zum Beispiel übergewichtig sind, gefällt es, weil es nicht um Leistung geht, sondern um die Basis – wer dick ist, kann trotzdem tanzen oder die Balance halten. Wir machen hier keine Wettbewerbe, sondern die Bewegung soll Spaß machen.
Müssen die Kinder danach regelmäßig „üben“?
Nein, wir wollen ihnen aber vermitteln, dass sie im Alltag auf ihren Rücken achten sollen und zum Beispiel das Sitzen variieren, sich beim Fernsehen zwischendurch auf den Bauch legen und kurz eine Runde Kinderliegestützen machen.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Programm zu entwickeln?
Um Probleme mit der Wirbelsäule zu vermeiden, muss früh genug eingeschritten werden. Daher haben meine beiden Physiotherapiekolleginnen, Claudia Schume und
Barbara Amhof, und ich ein Konzept erstellt, das auf Wirbelsäulentraining von Kindergartenkindern im Alter von fünf und sechs Jahren abzielt. Unser Konzept haben wir dem Sportamt vorgestellt. Dort gab es Zustimmung für unsere Idee. Wir haben ein Pilotprojekt gestartet, das Werner Hlawatsch vom Sportamt den Kindergärtenleiterinnen vorgestellt hat. Auch von ihnen gab es positive Rückmeldungen. Es gab so viele Anmeldungen und ein so großes Interesse, dass wir das Projekt fortführen wollen.
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